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Alter Hund läuft ständig umher – Demenz als Ursache?

Dass Hundesenioren und Hundeseniorinnen mit der Zeit etwas schrullige Verhaltensweisen entwickeln ist nichts Ungewöhnliches. Sowohl Körper als auch Geist verändern sich mit zunehmendem Alter. Läuft dein älterer Hund ständig umher, scheint dich nicht mehr zu erkennen oder reagiert nicht mehr auf Kommandos, die er schon vor zig Hundejahren erlernt hat, könnte das CD-Syndrom (Cognitive Dysfunction Syndrom) also eine kognitive Dysfunktion dahinterstecken. Man spricht dann auch von Hunde-Demenz oder Hunde-Alzheimer. 

Alter Hund läuft ständig umher, sind Altersleiden die Ursache?

Wenn dein betagter Hund vergesslich oder orientierungslos erscheint, Kommandos ignoriert oder vermehrt unreines Verhalten zeigt, kann das natürlich auch eine völlig andere Ursache als Demenz haben. 

Viele organische Probleme, die gehäuft bei älteren Hunden auftreten, kommen hier in Frage. Dazu gehören Veränderungen an Auge und Ohr, welche die Orientierung erschweren oder dafür sorgen, dass dein Hund Kommandos erst gar nicht richtig hört.

Aber auch Herz-Kreislauferkrankungen oder Probleme mit den Nieren oder der Blase sind denkbar. Andere neurologische Erkrankungen (Diskopathien) oder chronische Schmerzen, z.B. durch Arthrose bedingt, werden ebenfalls oft bei alten Hunden beobachtet.

Auch sind alte Hunde anfälliger für endokrine Krankheiten, dazu gehören beispielsweise Schilddrüsendysfunktionen, die ebenfalls Verhaltensauffälligkeiten auslösen können ohne deinen Hund direkt zu einem Alzheimerpatienten zu machen.

CDS –Demenz beim Hund

Ähnlich wie bei der Erkrankung bei uns Menschen kommt es mit zunehmendem Alter zur Veränderung der Hirnstrukturen. Beim CDS lagern sich hier verschiedene Eiweiße ab. Dazu gehören besonders ß-Amyloid-Plaques und das Alterspigment Lipofuszin.

Warum genau das geschieht ist noch nicht vollständig geklärt. Auch nicht, ob es sich hierbei um eine erbliche Erkrankung handelt, was beim Menschen wiederum nachgewiesen werden konnte. Zudem konnte noch keine sichere Aussage dazu gemacht werden, ob bestimmte Hunderassen besonders anfällig sind. 

Einige Studien legen nahe, dass 30 bis 60 % aller Hunde ab einem Alter von 7 Jahren betroffen sind. Die Lebenserwartung nach Diagnosestellung beträgt in der Regel zwischen 18 und 24 Monaten. Sie kann deutlich höher ausfallen, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird. 

Das Problem hierbei ist, dass ein verändertes Verhalten bei alten Hunden, wie etwa ständiges zielloses Umherirren, nicht rechtzeitig abgeklärt wird. Daher betrachten wir im Folgenden die häufigsten Anzeichen einer Hunde-Demenz:

  • Desorientiertheit – Dein älterer Hund erkennt dich nicht mehr, läuft an dir vorbei oder irrt eben ständig, auch nachts, umher. Auch kann es sein, dass er ins Leere starrt oder bei Kommandos in die falsche Richtung läuft. Für die Gassi-Runde z.B. peilt er eine Zimmertüre an, anstatt die Haustüre. 
  • Verändertes Schlafverhalten – Statt in der Nacht schläft dein Hund vermehrt am Tag. Nachts schreckt er leichter aus dem Schlaf hoch, neigt zu Unruhe und Bellen. Generell bellt er häufiger ohne ersichtlichen Grund.
  • Vergessen von Kommandos – Auch die Basiskommandos, die er bereits in jungen Jahren gelernt hat, zeigen keine Wirkung mehr. Er hat schlichtweg vergessen, was nun von ihm erwartet wird. 
  • Verlust der Stubenreinheit – Dein Hund macht sich nicht mehr bemerkbar, wenn er raus muss. Daher kommt es öfter zu spontanem Urin- oder Kotabsatz in Haus oder Wohnung. 
  • Verändertes Sozialverhalten – Typisch sind plötzliche Trennungsangst. Auf der anderen Seite kann es sein, dass dein Hund dich nicht mehr so euphorisch begrüßt wie gewohnt. Oder er zeigt ein ungewohnt aggressives Verhalten anderen Hunden oder Menschen gegenüber. Er kann sich ganz allgemein auch in ungewohnten Situationen weniger gut anpassen und verliert eventuell sogar das Interesse am Spielen.  

Was kann ich als Besitzer tun?

Leider gibt es keine Heilung für Hunde-Alzheimer. In jedem Fall solltest du rechtzeitig einen Tierarzt zur Diagnosestellung aufsuchen. Im Anschluss könnt ihr dann gemeinsam die beste Therapie festlegen und deinem Gefährten so noch einige schöne Monate und Jahre bereiten. 

Natürlich stellt die Erkrankung auch für Besitzer eine Herausforderung dar. Geduld und Ruhe sind gefragt. Doch das ist natürlich leichter gesagt als getan. Viele Situationen können auch den geduldigsten Hundehalter an seine Grenzen treiben. Das ist normal!

Nichtsdestotrotz gilt es gelassen zu bleiben, wo es eben geht. Deine Stimmung wirkt sich auch auf deinen Hund aus. Mit dir als Ruhepol, der für Sicherheit sorgt, fällt der Alltag dann schon etwas leichter. 

Das kann bedeuten, dass dein Vierbeiner, ja nach Schweregrad der Erkrankung, nur noch wenig oder gar nicht mehr alleine bleiben kann. Versuche dir Unterstützung zu holen, wo es möglich ist. 

Rege seine Hirnaktivität an. Das geht durch das Erlernen neuer oder alter Kommandos, Intelligenz-Spielzeuge oder neue Gassi-Routen, um das Gehirn mit neuen Reizen zu stimulieren. Da, wie erwähnt, die Stubenreinheit nachlassen kann, empfehlen sich häufigere kleine Gassi-Runden und möglicherweise der Einsatz von Hundewindeln. 

Es gibt Hinweise darauf, dass auch über die Ernährung, durch die Beigabe von MCT-Öl, positive Ergebnisse erzielt werden könnten. Das sollte jedoch besser mit dem Tiermediziner abgeklärt werden. 

Er oder sie können auch bestimmen ob und wenn ja, welche medikamentöse Therapie in Frage kommt. Heilbar ist CDS ja leider nicht, aber die Symptome können sich durch Medikamente, welche die Durchblutung und Leistung des Gehirns fördern, verbessert werden. 

Alter Hund läuft ständig umher – Fazit

Läuft dein alter Hund ständig unruhig umher, muss das nicht gleich bedeuten, dass der ein kognitives Problem hat oder an einer Demenz leidet. Durchaus kann das allerdings ein erstes Anzeichen dieser Erkrankung sein. Sicher bestimmt kann das nur in der Tierarztpraxis werden. 

Bei Hunden älter als 7 Jahre ist die Wahrscheinlichkeit am CD-Syndrom zu leiden jedoch erhöht. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto eher kann der geeignete Therapieansatz gefunden werden. 

Eine Demenzerkrankung des Haustieres kann auch für den Besitzer eine belastende Situation sein. Es ist jedoch wichtig, deinem Hund als Bezugsperson der sprichwörtliche Fels in der Brandung zu sein. 

Schaffe neue kognitive Reize für das Hunde-Hirn, aber überfordere es nicht. Ein angepasster Alltag und eventuell Medikamente können zudem die Symptome verbessern. 

Noch ein Tipp zum Schluss: Besteht „Fluchtgefahr“, könntest du über die Anschaffung eines GPS-Trackers nachdenken. Da ein orientierungsloser, herumirrender Senior sehr viel schwerer von selbst wieder nach Hause findet. So kannst du jederzeit sehen, wo sich dein Schützling gerade aufhält, auch wenn du nicht zu Hause bist.

Titelfoto von Wade Lambert auf Unsplash

Foto von Alexandre Debiève auf Unsplash

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